Bildung.

Wie Studien1 immer wieder zeigen, ist der Zugang zu Bildung ein maßgeblicher Baustein, um Armut zu verhindern. Wie wir wissen, „vererbt“ sich Armut und die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen oft. Zahlreiche Studien2 kritisieren, dass das deutsche Schulsystem nicht durchlässig genug ist. Kinder mit Migrationshintergrund haben aus verschiedenen Gründen deutlich schlechtere Chancen, Abitur zu machen und ein Studium zu absolvieren. Wir setzen uns für ein Schulsystem ein, dass durchlässiger und gerechter werden soll. Es sollen mehr praxisnahe Inhalte vermittelt werden und insbesondere die Medienkompetenz gestärkt werden. Es muss vermehrt auf bundesweite einheitliche Standards Wert gelegt werden, um den teils drastisch unterschiedlichen Leistungsniveaus entgegenzuwirken.

Parallel dazu muss auch an der Ausbildung der Lehrer*innen gearbeitet werden. Der Praxisbezug erfolgt nicht ausreichend und zu spät, Medienkompetenz hat nur wenig bis keinen Zugang ins Studium gefunden. Da nichtherkunftsdeutsche Lehrer*innen unterrepräsentiert sind, fehlt dem Kollegium oft die Sensibilisierung für strukturellen Rassismus und seine Auswirkungen im Unterricht. Der Lehrer*innenberuf muss daher attraktiver für Menschen mit Migrationshintergrund werden.

# Lernen im eigenen Tempo

Gerade in der Einstiegsphase der Grundschule ist das jahrgangsübergreifende Lernen eine zwingende Notwendigkeit. Den Schülerinnen und Schülern sollte in allen Bundesländern die Möglichkeit gegeben werden, die ersten 3 Jahre in zwei oder vier Jahren zu durchschreiten. Alle Kinder sind wissbegierig und neugierig. Das Lernen im eigenen Tempo ist der Schlüssel, um den Spaß am  Lernen nicht zu verlieren. Inhalte werden wiederholt und vertieft, wenn ältere oder weiter fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler jüngeren bzw. weniger weiten Schülerinnen und Schülern helfen. Die Schülerinnen und Schüler mit rascher Auffassungsgabe können in den Lerninhalten fortschreiten, ohne dass andere Schülerinnen und Schüler auf der Strecke bleiben.         

# Inhalte

Wir setzen uns für HipHop in der Schule ein, da über den jugendkulturellen Bezug durch und mit HipHop Inhalte des Lehrplans deutlich einfacher transportiert werden können. Nachfolgend einige konkrete Beispiele in den unterschiedlichen Disziplinen.

# Musik

Die synkopische Rhythmusstruktur der HipHop-Beats ist vergleichsweise komplex, gehorcht aber dennoch dem europäischen 4/4-Takt. Für Scratches existiert eine Notenschrift. Es ist leicht möglich, akademische Zugänge zu HipHop-Musik zu finden und auch musikhistorisch zu arbeiten.

# Kunst

Traditionell war es die Graffiti-Dose, aber es gab und gibt immer wieder Künstler*innen, die urbane Kunst auch mit anderen Ausdrucksformen in die Galerien bringen. “The House” in Berlin ist ein eindrucksvoller Beweis, wie diese Kunst mittlerweile kommerzialisiert werden kann. Höchste Zeit, urbane Kunst in die Klassenräume zu bringen.

# Sport

Breakdance erfordert ein hohes Maß an Koordination, Kraft und Konzentration. Eine ausgezeichnete Sportart, um sowohl die kompetetiven Schülerinnen und Schüler “abzuholen” als auch diejenigen, die gerne Gruppensport machen. Darüber hinaus ist Breakdance demokratisierend: mensch braucht keine Ausrüstung und keinen speziellen Ort, sondern nur sich und seinen Körper. Der finanzielle Background der Eltern ist beim Breakdance völlig irrelevant.

 

"Design your inside, concentration, desire /
Dedication, inspiration, perspiration / Is the hard work /
Doesn't guarantee anything
But without it, you don't stand a chance / Intelligence will save you
And us too, Peace"

Masta Ace - “Young Black Intelligent (Y.B.I.)” USA

# Sprachen

Rap ist Reim, Rap ist Technik und sprachliche Finesse garniert mit codierten Querverweisen und Referenzen, dass Bertold Brecht seine wahre Freude daran gehabt hätte. Ob Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Deutsch - Rap ist international und es gibt quasi keine Sprache auf der Welt, in der nicht gerappt wird. Es bietet sich eine Fülle von zeitgenössischer Lyrik an, die nur darauf wartet, haarklein analysiert und interpretiert zu werden. Ganz ohne Füße im Feuer.

# Geschichte

Public Enemy bezeichnete Rap dereinst als “Black CNN” - denn Nachrichten aus den “schwarzen”  Communities fanden schlichtweg nicht statt im damaligen US-Fernsehen. Hierzulande ist es kaum besser bzgl. der Themen, die Menschen mit Migrationshintergrund betreffen. Selbstredend hat also die Geschichte der “Gastarbeiter*innen” kaum Einzug in die Bücher gehalten, mit denen nun deutsche oder US-amerikanische Geschichte gelehrt wird. Ein Großteil unserer Jugendlichen findet die Geschichte ihrer Wurzeln nicht wieder. Es fehlt die Repräsentation, die zwingend notwendig ist, damit sich die migrantischen Jugendlichen, die auf dem Papier oft schon längst Deutsche sind, mit Deutschland identifizieren können. Und es fehlt in den Schulbüchern das klare Bekenntnis, dass diese Deutschen keine Deutschen zweiter Klasse sind. Daher können Raptexte und die Biografien ihrer Protagonisten auch hier die “ungeschriebene Geschichte” abbilden, bis die Geschichtsbücher vervollständigt sind.

# Lehrer*innenausbildung

Wir fordern eine verbesserte und praxisnahe Ausbildung für Lehrende. Speziell das Referendariat kommt viel zu spät im Studium. Erkennt mensch im Referendariat, dass mensch fachlich gut ist, aber Schwierigkeiten hat, mit Schülerinnen und Schülern umzugehen, ist es eigentlich für eine Umentscheidung zu spät - mit verheerenden Folgen, die im Wesentlichen die Schülerinnen und Schülern auszubaden haben.

Weiterhin fordern wir eine stärkere Sensibilisierung durch Fortbildungen der Lehrenden hinsichtlich der Themen Rassismus und Diskriminierung sowie Gender-Vielfalt.  Dramatisch uninformiert sind die meisten Lehrenden auch hinsichtlich der neuen Medien. Sie sollen Medienkompetenz lehren und sind selber oft noch keine digital Natives. Daher fordern wir einen dringenden Ausbau der Medienkompetenz bei Lehrenden.