Familie.

“Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung” - so heißt es im Artikel 1 des Grundgesetzes. Dessen ungeachtet bestätigen alle Studien 1, dass Kinder ein Armutsrisiko  für Familien darstellen. Es ist nachgewiesen, dass Armut krank macht, ausgrenzt und die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern aus armen Familien deutlich schlechter 2 sind.

“Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft” - so heißt es weiter in Artikel 4. Doch ganz besonders betroffen von Armut sind Mütter, denn Alleinerziehende sind zu 90% Frauen. 50% der Kinder Alleinerziehender erhalten gar keinen Unterhalt, 25% weniger als ihnen zusteht 3 - die derzeitige Praxis des Einforderns dieser Unterhaltszahlungen funktioniert nicht, der Staat springt mit Unterhaltsvorschuss ein, die Rückholquote dessen bei den säumigen Zahler*innen liegt bei 23% 4.

Alleinerziehenden Elternteilen fehlt es also an struktureller Hilfe, um die gewünschte Vereinbarkeit von Beruf und Familie herzustellen. Da jede dritte Ehe geschieden wird und jede zweite feste Partnerschaft auseinander geht, muss der Gesetzgeber sich hier dem Ist-Zustand anpassen und Alleinerziehende strukturell sehr viel besser unterstützen, um das Ziel des “besonderen Schutzes” gemäß Grundgesetz nicht zu verfehlen. Strukturelle Verbesserungen für Alleinerziehende sind daher ein wichtiger Bestandteil unseres Programms.

# Elternzeit / Arbeitszeit

Wir fordern ein Gesetz, in dem verankert ist, dass Elternteile ihre Arbeitszeit nach der Elternzeit reduzieren dürfen, ohne dass ihnen Nachteile (Kündigung, Versetzung, Übergehen bei Beförderungen, ...) entstehen. Im ersten Jahr nach der Elternzeit sollen Elternteile ihre Arbeitszeit auf bis zu 25h/Woche reduzieren dürfen, danach haben sie dauerhaft die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit auf 32h/Woche zu reduzieren.

Weiterhin fordern wir, dass Alleinerziehenden die Möglichkeit offen stehen muss, sich von Spät- oder Nachtschichten befreien zu lassen, ohne dass ihnen daraus Nachteile (Kündigung, Versetzung, Übergehen bei Beförderungen, ...) entstehen.

# Ausbau Kitas

Wir fordern, dass der Ausbau von Kitas weiterhin stark vorangetrieben wird. Um den Arbeitszeiten gerecht zu werden, die viele heutige Berufe erfordern, fordern wir verstärkten Ausbau von sog. 24h-Kitas, die (mehr oder weniger) rund um die Uhr geöffnet haben (die Verweildauer der Kinder verlängert sich dadurch nicht).

Es ist sprichwörtlich gerne vom “Dorf” die Rede, was mensch braucht, um ein Kind zu erziehen - im “urbanen Dorf” sind Kita-Erzieher*innen Teil der familiären Gemeinschaft. Sie verdienen unsere Anerkennung und unseren Respekt, was sich dringend in besserer Bezahlung niederschlagen muss, sie müssen aber auch besser ausgebildet werden und moderne Erziehungskonzepte und Erkenntnisse der Pädagogik (Stichwort: Attachment Parenting) beherzigen und umsetzen können.

Der Erzieher*innenberuf muss außerdem verstärkt auch wieder für Studienabgänger*innen interessant werden. Dies und die deutliche Verbesserung der Schlüssel stellen den Kern der Qualitätsverbesserung von Kitas dar, die wir dringend brauchen, denn Kinder sind unsere Zukunft. Schon rein moralisch verdienen sie nur das Beste, aber auch betriebswirtschaftlich lohnt sich die Investition in Kinder am Ende immer.

Mama working hard to put food on the table. All on her own she sacrificed, Even when my brothers and sisters died, Somehow she stayed strong, I never saw her cry.

Ms Dynamite - „Brother“ UK

# Hilfen für Alleinerziehende

Lediglich 75% aller Alleinerziehenden erhalten den ihnen zustehenden Unterhalt. Glücklicherweise springt hier der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss ein, wenn ein Partner nicht den dem Kinde zustehenden Unterhalt bezahlt, dieser wurde kürzlich sogar noch ausgeweitet; diese Maßnahme soll 350 Millionen kosten. Unverständnis macht sich also breit, wenn man weiß, dass nur bei 23% der säumigen (Nicht-)Unterhaltszahlenden die Unterhaltsschulden eingefordert werden. Wir setzen uns daher unbedingt dafür ein, dass ausstehende Unterhaltszahlungen konsequent und mit Nachdruck eingefordert werden. Unterhalt nicht zu zahlen, darf kein Kavaliersdelikt mehr sein.

Wir setzen uns für das Wechselmodell ein, bei dem die Kinder nach einer Trennung zu gleichen Teilen bei beiden Elternteilen leben. Wir halten dies im Normalfall für die beste aller schlechten Möglichkeiten, die nach einer Trennung bleiben. Wir fordern, dass Eltern bei Trennung eine Mediation machen, um den Weg frei zu bekommen und als Partner*innen getrennt, aber als Eltern vereint ihre Verantwortung zu übernehmen. Das Wechselmodell entlastet beide Elternteile und vereinfacht die Aufnahme einer Arbeit. Doch auch bei Bevorzugung des Wechselmodells muss klar sein, dass das Wohl der Kinder immer im Vordergrund stehen muss. Nicht immer ist das Wechselmodell für ein Kind der beste Weg, manchmal ist es für Eltern nicht möglich, dies umzusetzen. Dann muss nach anderen Formen des Umgangs gesucht werden.

Es wird viel Geld seitens der Krankenkassen ausgegeben für Mutter-Kind-Kuren (die im Namen schon nicht mehr zeitgemäß sind...), die vergleichsweise wenig Effekt haben. Erholt mensch sich tatsächlich im günstigsten Falle, hält diese Erholung nicht lange an. Das Geld, das die Krankenkassen hier ausgeben, sollte deutlich nachhaltiger und wirkungsvoller eingesetzt werden, indem dauerhaft Haushaltshilfen für Alleinerziehende bewilligt werden. Die regelmäßige Entlastung beugt einem Burnout deutlich mehr vor und hilft, im Alltag mehr Quality Time mit den Kindern zu verbringen.

Weitere Hilfen für Alleinerziehende könnten “Ermäßigungspässe” sein, um die Teilhabe an gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen zu garantieren. Sie sollten nicht an gesonderte Anträge geknüpft werden, sondern in Verbindung mit dem Unterhaltsvorschuss oder je nach Einstufung bzgl. der Höhe der Betreuungskosten automatisch erfolgen.

# Familienmodelle

Wir setzen uns für familiäre Vielfalt ein und möchten diese auch in Schulbüchern umgesetzt wissen.

Wir setzen uns dafür ein, dass homosexuelle Menschen heiraten dürfen. Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist kein Ersatz für den Bund der Ehe. Ebenso setzen wir uns dafür ein, dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen. Wir unterstützen alle Menschen, die eine Verbindung eingehen wollen, bei der sie füreinander einstehen wollen. Ebenso unterstützen wir alle Menschen, die sich bewusst für ein Kind entscheiden.

Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die Diskriminierung von homosexuellen oder transsexuellen Menschen aufhört. Wir sehen geschlechtliche Binarität nicht als unumstößlich an und beziehen uns hier auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse 5.

Wir unterstützen die Forderungen des deutschen Hebammenverbands in komplettem Umfang, die unter folgendem Link einzusehen sind:

https://www.hebammenverband.de/aktuell/aktionen/archiv/e-petition/unsere-forderungen/

 

 

1 http://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/DE/Startseite/start.html