Zusammenleben. In Deutschland & global

Als Ergebnis historischer Kontinuitäten ist die deutsche Gesellschaft (wie fast alle europäischen) und die Verhältnisse der in Deutschland Lebenden untereinander durch strukturell wirkende Schieflagen gekennzeichnet.

Diskriminierungserfahrungen und Privilegien sind zwei Seiten derselben Medaille. Determinierende Merkmale sind unter anderem Geschlechtsidentitäten, Alter, Herkunft/Abstammungen, Religionen/Glauben, sexuelle Orientierungen und soziale Schichten. Historische Kontinuitäten verschwinden nicht von alleine aus Strukturen und auch nicht aus individuellen überlieferten und fortgeschriebenen Einstellungen.

Die in den Strukturen etablierten Machtungleichgewichte schaffen sich nicht selbst ab, da sie selbsterhaltend funktionieren, Privilegien zuordnen und - vor allem - Profite erzeugen. Aber in der strukturellen Wirkung/Schieflage liegt die grosse Chance, dass Rassismen und Diskriminierungsformen angesprochen werden können, ohne dass die Frage nach der/dem Schuldigen zu stellen ist. Es geht nicht um Schuld. Es geht um die Chance, Verantwortung zu übernehmen.

Wichtige Ziele sind daher:

  • Mit „vorurteilsbewusstem Denken und Handeln" struktureller Diskriminierung entgegenwirken

  • Diskriminierungskritische Ansätze im Allgemeinen und rassismuskritische Analyse im Speziellen als Querschnittsthema in allen Bereichen der politischen und gesellschaftlichen Gestaltung einbringen

  • Friedliches und respektvolles Mit- und Nebeneinander durch Anerkennen von Vielfalt als Ressource und Bereicherung

  • Reflexion von Privilegien und struktureller Diskriminierung muss gesamtgesellschaftlich abgekoppelt werden von Schuldzuweisungen

  • Die Gesellschaft in die Lage versetzen, mündig die eigene Geschichte und deren globale Wirksamkeit wahrzunehmen und verantwortlich daraus Handlungen für die Zukunft abzuleiten.

  • Strukturen sichtbar machen, um zu erkennen, an welchen Stellen unsere gesellschaftlichen Systeme Ausschlüsse herstellen, die diskriminierend wirken

  • Das Verständnis des gesellschaftlichen "Wir" soll alle umfassen, die in Deutschland leben.

  • Das Verständnis des globalen "Wir" soll gefördert werden und ins Verhältnis gesetzt werden zu historischen Entwicklungen und zu Visionen einer nachhaltigen Zukunft

  • Begegnung und Austausch sind die wichtigsten Elemente von inter- und transkultureller Würdigung und Anerkennung

  • Maßnahmen zur Dekonstruktion diskriminierender Strukturen sind leicht umsetzbar und schnell positiv wirksam. Betroffen sind vor allem die Bereiche Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, kulturelle Angebote und kulturelle Praxis, Zugänge zu Bildung, zu politischer und medialer Repräsentation, zu Gesundheit, Schutz vor Gewalt und zu öffentlichen Dienstleistungen. Macht geht nicht zwingend von Mehrheiten gegenüber Minderheiten aus. Macht geht von Inhaber*innen von Privilegien aus, unabhängig von ihrer zahlenmäßigen Repräsentanz. Macht geht auch von physischer Überlegenheit aus. Macht geht von medialer, politischer und gesellschaftlicher Repräsentation aus.

Einige konkrete Forderungen zur Erreichung der oben genannten Ziele:

  • diskriminierungskritische Überarbeitung der Curricula in Schule, Universität, Ausbildungen

  • Entwicklung neuer Lehrmaterialien, die Vielfalt abbilden, repräsentieren, würdigen

  • Vorurteilsbewusstes Denken und Handeln als Kompetenz begreifen, die fester Bestandteil aller Ausbildungen wird

  • Entwicklung intelligenter Quotenmodelle zur Sicherstellung von Repräsentation, Quoten sollten für eine möglichst große Vielfalt von gesellschaftlichen Gruppen eingeführt werden, bspw. korrespondierend mit den 6 Dimensionen in der Vielfaltanalyse getrennt nach:

  • Geschlecht

  • Abstammung (Nationalität/ethnische Zugehörigkeit/Schwarz, weiß, of Color)

  • Alter

  • Glaube / Religionszugehörigkeit

  • sexuelle Orientierung

  • soziale Schicht / Herkunftsschicht

  • Abschaffung von „Racial-Profiling“

  • Eine klare Positionierung zur historischen Verantwortung durch Völkermorde an den Nama/ Herero und den Menschen jüdischen Glaubens ist überfällig

  • Ein deutliches Bekenntnis quer durch alle Parteien und demokratischen Institutionen zur neuen und konstruktiven Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus mit den neuen Methoden, die als Schwarze Wissensproduktionen besonders geeignet sind, Perspektivwechsel einzuleiten

  • Beginn von nationalen und internationalen Verhandlungen zu Reparationszahlungen und anderen Formen der Reparation von materiellen Schäden und kulturellen Schäden, die durch Versklavung und Kolonialisierung herbeigeführt und zugefügt wurden

  • Rückgabe kultureller Güter, oder finanzielle Entschädigung für kulturelle Güter, die in deutschen Museen lagern oder ausgestellt sind, sofern dies noch nicht passiert ist

  • Dekolonialisierung des öffentlichen Lebens und Verkehrs

  • aktive Gleichstellungspolitik zur Beseitigung von Schieflagen in Absprache mit diversen Interessenvertretungen und unter besonderer Berücksichtigung von Gruppen bzw. Minderheiten, die aufgrund extremer struktureller Benachteiligung keine Interessenvertretung haben: Geflüchtete Menschen, ALG2-Empfänger, von Obdachlosigkeit Betroffene oder Bedrohte, chronisch kranke Menschen, Suchtkranke und deren Angehörige bzw Co-Abhängige, von Armut Betroffene, Sex-Arbeiter*innen, Mehrfach-Diskriminierte)

  • Positionierung als Einwanderungsland

  • Nicht-hetero-geschlechtliche Ehe ermöglichen

  • Verbot des „Racial Profiling“, ohne konkrete Verdachtslage aufgrund einer erfolgten Meldung eines Verbrechens und erfolgter Täterbeschreibung

  • Deutliche Regulierung der Werbebotschaften im öffentlichen Raum im Sinne von Vielfalt und gegen die Reproduktion von Stereotypen und sexistischen / rassistischen / diskrimierenden Bildern / Texten / Assoziationen / Konnotationen

  • Die Schaffung von Barrierefreiheit (körperlich, sprachlich) in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes und der öffentlichen Gebäude

  • Etablierung diskriminierungsfreier Sprache und Schrift in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes, auch im Schulunterricht

  • Streichen des Begriffs Rasse aus sämtlichen Gesetzestexten und anderen öffentlich-rechtlichen Texten, sowie allen Lehrmaterialien/Fachliteraturen

  • Reform des Wahlsystems dahingehend, dass alle Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit haben und/oder seit mindestens 2 Jahren in Deutschland ihren Wohnsitz haben, bei allen Wahlen stimmberechtigt sind

  • Unterstützung von Selbstorganisation durch Infrastruktur, Finanzierung von Stellen, Bereitstellung von Know-How

"Dies ist nicht meine Welt, in der nur die Hautfarbe und Herkunft zählt,
der Wahn von Überfremdung politischen Wert erhält,
mit Ignoranz jeder Hans oder Franz sein Urteil fällt,
Krach macht und bellt, sich selbst für den Fachmann hält."

Advanced Chemistry - “Fremd im eigenen Land” BRD

# Deutschland, das Einwanderungsland

In Deutschland lebten im Jahr 2015 über 8,6 Mio. Menschen ausländischer Nationalität (Quelle: Statistisches Bundesamtes, Bevölkerungsfortschreibung). Gut ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland hat eine eigene Migrationsgeschichte, d.h. sie sind selbst nach Deutschland migriert oder zumindest ein Elternteil stammt aus dem Ausland.

Deutschland ist mehr denn je ein Einwanderungsland. Dabei sind die Motive höchst unterschiedlich. Manche der ausländischen Menschen kommen nach Deutschland, um zu arbeiten, um zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren.

Andere suchen Schutz vor Krieg und Verfolgung in ihrem Herkunftsland. Wieder andere kommen im Rahmen der Heiratsmigration oder Familienzusammenführung. Zugleich versucht sich die Europäische Union an ihren Außengrenzen massiv abzuschotten, so dass für gering und unqualifizierte Menschen aus dem Nicht-EU-Ausland oftmals nur der lebensgefährliche Weg der irregulären Migration in die EU und nach Deutschland bleibt. Das gemeinsame europäische Asylsystem stieß in den letzten Jahren - insbesondere hinsichtlich eines gerechten Verteilungssytems von Asylsuchenden auf alle EU-Staaten  - an seine Grenzen.

Wir fordern mehr Möglichkeiten der legalen Migration nach Deutschland. Wir befürworten zudem die Einführung eines humanitären Visums, damit politisch Verfolgte die Möglichkeit haben, Asyl zu ersuchen, ohne sich lebensbedrohlichen Situationen auf dem häufig beschwerlichen Weg nach Europa über Land und See hinweg aussetzen zu müssen.

EU-Bürger*Innen genießen in Deutschland das Vorrecht der doppelten Staatbürgerschaft. Wir sprechen uns für die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft für alle Ausländer*Innen aus, die länger als fünf Jahre in Deutschland leben. Kinder ausländischer Eltern, die in Deutschland geboren werden, sollen automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten – ohne wenn und aber (Territorialprinzip).