Die Urbane. Next Level

Einblicke & Learnings

Die Urbane. Eine HipHop Partei wurde in 2017 gegründet. Die Existenz von Die Urbane. ist aus der Erkenntnis geboren, dass Aktivismus, Community-Organizing, Vereinsarbeit und die Präsenz auf der Straße unersetzlich sind UND dass es dazu noch einen „Arm“ braucht, der die Inhalte, die auf der Straße gefordert werden - die Stimmen, die hier unter uns laut sind, aber im Mainstream unsichtbar gemacht werden, wählbar macht – ohne Kompromisse.

Während der letzten Jahre wurden erste Strukturen teilweise aufgebaut, es gab die Teilnahme an 2 Bundestagswahlen und 2 Landtagswahlen und an 1 Kreiswahl, es wurde ein Quotenmodell für die Vorstände etabliert (mind. jew. 50% BIPOC / 50% FLINTA* / 15% Be_hinderte Menschen), es wurde ein sehr ausführliches Parteiprogramm entwickelt. Um in möglichst vielen Bundesländern wählbar zu sein, wurden bisher 7 Landesverbände gegründet und Landesvorstände gewählt.

Es gibt einige hunderte Mitglieder, es kommen ständig neue hinzu und es wurde eindeutig festgelegt, dass Die Urbane. Eine HipHop Partei nicht „eine Partei für alle“ ist, sondern eine Partei für kritische Schwarze Menschen, Menschen of Color, Indigene Menschen und für kritische weiße Verbündete, die zusammen an der Überwindung von Rassismus, Kapitalismus und Patriarchat und für eine barrierefreie, verteilungsgerechte Welt frei von Unterdrückung und Gewalt arbeiten.

Und Die Urbane. wirkt auch politisch antirassistisch, antikapitalistisch, queerfeministisch etc zwischen Wahlen und unabhängig von den Ergebnissen bei Wahlen.

Die Urbane. Eine HipHop Partei ist in den sozialen Medien vor allem auf Insta und Twitter aktiv, organisiert selber oder spricht bei Demonstrationen, nimmt Teil am gesellschaftlichen Diskurs in Paneldiskussionen, Interviews, durch Stellungnahmen und Aktionen, nimmt politischen Einfluss über Bündnisse, Teilnahme in Netzwerken, Initiativen, Gruppen und ist auch Gegenstand politischer Forschung.

Die Urbane. Eine HipHop Partei ist kein „nice to have“ für Menschen, die „irgendwie Bock haben auf Politik“ oder die für das eigene Gewissen politisch aktiv sein möchten, um sich besser zu fühlen. Die Urbane. ist ein „must have“, um den Fuss in die Tür zu kriegen dort, wo Gesetze gemacht werden, wo überwiegend weiße deutsche cis Dudes Entscheidungen treffen.

Diese Entscheidungen beeinflussen die Realitäten von Menschen auf dem ganzen Planeten, ohne dass diese mit am Tisch sitzen. Statt dessen wird im Parlament jeden Tag aufs neue das kapitalistische, rassistische Patriarchat reproduziert.

Die Verankerung in der HipHop Kultur wurde bewusst gewählt und hat wiederholt dafür gesorgt, dass das Denken und Analysieren vom Rand und von unten und vor allem aus einer Schwarzen Perspektive zum Prinzip wurde.

Die Urbane. ist lange unter dem Radar geflogen und hatte Raum und Gelegenheit, zu experimentieren, das Profil zu schärfen, eine Radikalität zu etablieren und zu lernen. Mittlerweile ist aus der Inspiration und der Vision ein Konzept geworden und eine Plattform, die wächst und die schon vielen Menschen erlaubt, sich damit zu identifizieren, sich darin gespiegelt und vertreten zu fühlen und daraus auch Empowerment und Hoffnung zu schöpfen. 10.000e Menschen bundesweit haben Die Urbane. schon gewählt.

Mit der wachsenden Die Urbane. Community wächst nun auch die Verantwortung, das nächste Level zu gestalten und zu organisieren, unser Game zu verbessern, die Schärfe, die Radikalität, die Intersektionale Analyse zu vertiefen. Es bleibt wichtig, uns um so stärker zu prüfen. Jede*r einzelne und auch alle Räume, die bei Die Urbane. entstehen. Und es braucht nicht drumherum geredet werden: Es gibt nach wie vor auch bei Die Urbane. weiße Zerbrechlichkeit und weiße Abwehr. Diese wird wohl nie ganz weg sein, in einer Struktur, die innerhalb einer weißen Mehrheitsgesellschaft wirkt und handelt - unabhängig davon, ob weiße Menschen teil der Struktur sind oder nicht. Denn das koloniale, rassistische System korrumpiert uns alle. Weiße und BIPOC. Weiße Abwehr geht meistens einher mit weißen Privilegien in der Position als weiße Personen im System, und weiße Abwehr kann auch durch internalisierte Rassismen und Denkweisen von BIPOC ausgehen und zwischen BIPOC wirken. Um diese Mechanismen zu verhandeln, wurde innerhalb von Die Urbane. ein BIPOC-Raum geschaffen und es wurde eine Fußnote in der Satzung verabschiedet, in der Schwarzsein als politische Identität und Position im Urbane Kontext formuliert wurde. (Zur Satzung)

Wir haben es uns bis hierher zum Prinzip gemacht, dass weiße Zerbrechlichkeit und weiße Abwehr “unerwünscht sind” und “abgelehnt werden”. Aber das reicht nicht. Den Umgang damit werden wir in einem nächsten Schritt institutionalisieren. Bisher bemühen wir für Umstände und Situationen, in denen weiße Abwehr passiert, unsere Satzung. Aber wir werden noch wirksamere Mechanismen installieren, die hier schnell und effektiv greifen, vor allem, um den potentiellen Kreislauf von Abwehr, Verletzung, Wut, Tone policing, erneuter Verletzung und weiterer Abwehr und Verschleppung der Lösung zu durchbrechen und ihm zuvor zukommen.

Die mindestens 50% Quoten jeweils für BIPOC und FLINTA*, die satzungsgemäß festgeschrieben sind, sind die notwendige Bedingung für eine Abkehr von weißer Dominanz und cis männlicher Dominanz in unseren Strukturen. Aber sie sind kein Garant dafür. Es gibt keine rassismus-freien Räume. Es gibt keine Räume frei vom Patriarchat. Es gibt keinediskriminierungsfreien Räume. Deswegen werden wir im nächsten Schrittdie hinreichenden Bedingungen dafür schaffen, dass die radikalintersektionale antikoloniale, antirassistische und queerfeministischeAgenda noch besser durch die Personen vertreten wird, die die Strukturenvon Die Urbane. Eine HipHop Partei ausmachen.

Bisher geschah dies durch ein ausführliches mündliches Briefing mit denAktiven, insbesondere den Vorständen, indem politische Inhalte,abolitionistische Positionen, Radikalität, wertschätzende undmachtkritische Arbeitsweise und Reflexe wie weiße Abwehr, weißeZerbrechlichkeit, weiße Definitionsmacht, weiße Deutungshoheit und TonePolicing, die alle Elemente weißer Dominanz sind, besprochen wurden. Absofort wird das onboarding gründlicher werden - Stepping up the game!Masters of the ceremony werden! Auch dieser Anspruch ergibt sich aus derVerankerung in der HipHop Kultur. Unser Game muss das nächste Levelerreichen. Das ist die Challenge, die wir uns selbst vorgeben.

- Nachdem unsere Mitgliedschaft 5 Jahre lang sehr langsam und solide wuchs möchten und wollen wir einen Umgang mit Mitgliedsanträgen finden, um dafür zu sorgen, dass auch die Mitgliedschaft – genauso wie die Vorstände – zu mindestens 50% aus BIPOC und zu mindestens 50% aus FLINTA* besteht und zumindestens 10% aus Be_hinderten Menschen.

- Wir streben Debatten an über interne Wege der Umverteilung, über den Umgang mit Geld, mit Hierarchien, über die Sicherung von Agency und von Repräsentation und über verschiedene Modelle von Abstimmungen.

- Das Programm von Die Urbane. Eine HipHop Partei will ständig weiterentwickelt werden, um uns allen Drehbuch zu sein für eineRevolution.

- Wir checken uns selbst; alle Aktiven, alle Vorstände, auf allen Ebenen, weiße als auch BIPOC, sind aufgerufen, das eigene Mindset und das eigene Commitment zu hinterfragen, die intersektionalen Machtverhältnisse zu verstehen, die wirken und die eigene Bereitschaft zu prüfen, Privilegien anzuerkennen, zu benennen und zur Verfügung zu stellen. Das sind unsere wichtigsten Skills, das ist der Flow, an dem wir kontinuierlich arbeiten.

Deswegen ist auch gerade jetzt ein wichtiger Moment, in dem wir uns öffentlich an Euch wenden – an kritische BIPOC und kritische weiße Verbündete mit den unterschiedlichsten intersektionalen Identitäten und Lebensrealitäten: Wir rufen Euch auf, mitzumachen! Aktivist*innen, die Rassismus, Kapitalismus & Patriarchat zusammen denken und die politische Dimension der HipHop Kultur verstanden haben und auch, wie beides zusammen politische Kraft entfaltet, laden wir ein, rein zu kommen, Teil der Community und Teil der Struktur zu werden.

Diese Notwendigkeit – unsere Inhalte wählbar zu machen – wird Realität durch die ehrenamtliche Arbeit von vielen Die Urbane. Aktivist*innen und Sympathisierenden in ganz Deutschland. Wir arbeiten mit knappen Kapazitäten und es braucht immer eine Verhältnismäßigkeit von Zielen,Entwicklungen, Erwartungen und Möglichkeiten, um diese „Pflanze“, dienoch fragil ist, gemeinsam zu einem Baobab zu machen.

Darin liegt eine Verantwortung. Es ist kein Platz für Selbstbestätigung oder“just for fun”. Es ist ein Platz für die, die committed sind, diese Arbeit zulernen und zu machen, im Rahmen dessen, was sie geben können und imBewusstsein der eigenen Position in den sich überschneidenden Systemen, im Bewusstsein der eigenen Privilegien und mit dem Verständnis für die politische Dimension der HipHop Kultur als Schwarzer Widerstandskultur, mit der wir dieses System auf den Kopf stellen werden. Es ist kein Spaß, wir meinen es sehr ernst.

Wir rufen insbesondere alle BIPOC FLINTA*, BIPOC LGBTQIA+ und BIPOC Be_hinderte Menschen auf, Mit-Homies zu werden bei Die Urbane. Eine HipHop Partei.

Für alle, die mitmachen, muss bekannt sein: Die Agenda von Die Urbane. Eine HipHop Partei ist abolitionistisch, antikolonial, rassismuskritisch,machtkritisch, intersektional queerfeministisch. Bewegungsfreiheit für alle, umfassende Reparationen für Kolonialismus und Versklavung, Entmilitarisierung, Überwindung von Kapitalismus, Rassismus, Patriarchat, Überwindung von Grenzen und Nationen und Blöcken, universelles Grundeinkommen und Barrierefreiheit sind unverhandelbare Ziele.

Wir sind nicht da, weil wir es so klasse finden, in diesem dreckigen System mitzuspielen, sondern weil wir gegen die Unterdrückung, die dieses System  tagein tagaus ausübt, jeden Hebel in Bewegung setzen müssen, an den wir rankommen. Wir sind da, weil zu befürchten ist, dass das Ausmaß einerseits an Konditionierung und andererseits an Repression längst so groß ist, dass die Straße alleine keine Revolution mehr hervorbringen wird. Niemand wird es für uns in die Hand nehmen, wenn wir es nicht selbst in die Hand nehmen. Deswegen müssen wir gleichzeitig mit der Straße auch die Parlamente erobern und es wird auch passieren, eben weil wir es müssen!

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