Die Werkstatt der Kulturen in Berlin muss bleiben!

Offener Brief an Dr. Klaus Lederer (Senator für Kultur und Europa)

Sehr geehrter Herr Lederer,
sehr geehrte Damen und Herren des Senats für Kultur & Europa.

Wir schreiben Sie an, weil wir erschrocken sind. Wir, das ist der Bundesvorstand von Die Urbane. Eine HipHop Partei.
Wir sind auf eine Ausschreibung aufmerksam geworden, die die Werkstatt der Kulturen betrifft.

Als Partei, die sich explizit auf die HipHop Kultur bezieht, weil die eine Selbstermächtigung derjenigen ist und symbolisiert, die schon immer an die Ränder der Gesellschaft gedrängt werden, wissen wir, wie absolut notwendig solche Plattformen wie die Werkstatt der Kulturen sind.

Der Druck, die Unterdrückung, die Marginalisierung, die Ausschlüsse, die reale physische Bedrohung, die wir als Schwarze Menschen, Menschen of Color, Menschen mit Migrationsvordergrund, Jüd*innen und Muslim*innen, Menschen am Rand schon immer und aktuell mehr denn je erleben, brauchen Räume des künstlerischen Austauschs & Ausdrucks, Räume für unsere Perspektiven als Ventil und Empowerment. Wenn diese zu knapp oder gar nicht zur Verfügung stehen oder wenn sie Gegenstand politischer Schacher werden, ist das gefährlich für uns. Und dadurch ist es gefährlich für alle.

Für uns, die wir Differenz sind, leben, verkörpern und annehmen, weil wir keine andere Wahl haben – aber auch, weil wir wissen, dass Differenz keine Gefahr bedeutet, sondern Bereicherung – ist die Aussicht auf Neuausschreibung ein Angriff auf die wenigen sicheren Orte, die uns bleiben. Und das ausgerechnet durch eine rot-rot-grüne Landesregierung.

Für Sie und Ihr Ressort ist es evtl. eine Prestigeangelegenheit? Oder Zeitvertreib? Oder formale Bürokratie? Oder sogar interne Spannungen, in der die Werkstatt zur Verhandlungsmasse gemacht wird? Was hat die Neuausschreibung der WdK bloß im Koalitionsvertrag zu suchen? Und wie ist sie da hinein geraten?

Wenn Sie Kultur und deren essentiell lebenswichtige Funktion für ALLE Menschen, für Community, für Kommunikation, für Begegnung und für Frieden und Zusammenhalt schätzen und ernst nehmen, dann können Sie nicht an einer Neuausschreibung (und einer derart banalen noch dazu!) eines der an einer Hand abzählbaren dekolonialen Herzstücke des Berliner Kulturbetriebs festhalten.

Wenn überhaupt etwas verändert werden sollte, dann sollte es eine zweite solche Werkstatt der Kulturen in Berlin geben – nicht eine weniger, oder mit anderen Worten gar keine. Waren Sie alle aus der Brunnenstraße überhaupt schon mal höchstpersönlich dort?

Der Umgang mit dieser Institution, mit der Leitung in Person von Frau Ebéné, mit den Leistungen, die sie und ihr Team für die Stadt Berlin erbracht haben, die Intransparenz der ganzen Angelegenheit, ist unhöflich und Ausdruck weißer Deutungshoheit darüber, mit wem so verfahren werden kann und mit wem nicht - mit welchen Kulturschaffenden und mit welchen nicht, mit welchem Publikum und mit welchem nicht.

Eine dieser Leistungen von WdK-Leiterin Philippa Ebéné ist der Karneval der Kulturen, den sie mit aufgebaut hat und dessen internationaler Glanz heute auch auf Sie abstrahlt und den Sie für die Selbstdarstellung der Kulturstadt Berlin gerne nutzen. Bald müsste man dann von Aneignung sprechen.

Von den Netto-Einnahmen, die das Festival der Stadt beschert (ca. 57Mio € in der Summe bisher (Quelle: https://bit.ly/31N8nmK) ganz zu schweigen.

Wir fordern die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, bzw. die Koalitionspartner*innen auf, die Ausschreibung zurück zu ziehen und wertvolle und knappe Zeit und Ressourcen auf jene Angelegenheiten zu verwenden, wo der rassistische und nationalistische Schuh drückt.

Wir alle, die Vielfalt sind und leben und repräsentieren in Berlin brauchen diese Ausschreibung nicht, Sie senden damit die falschen Signale.

Dieser Brief wird auch auf unseren digitalen Plattformen veröffentlicht.

Diverse Grüße & peace

Die Urbane. Der Vorstand.

 

Du möchtest auch, dass die Werkstatt der Kulturen erhalten bleibt? Dann unterschreibe unseren offenen Brief online. Wir werden die Namen der Personen, die hier unterzeichnen, dem Senat vorlegen, um unseren Forderungen mehr Ausdruck zu verleihen. Let's get it on!

Ich möchte die Werkstatt der Kulturen erhalten!

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht! Dein Name wird von uns in einer Liste mit allen, die unterzeichnen, dem Berliner Kultursenat vorgelegt.