FLINTA

Geschlecht ist sozial konstruiert. Wir müssen die spezifischen Bedarfe aller Menschen, die sich im binären cis-heteronormativen System nicht als cis männlich identifizieren, anerkennen und würdigen und auf allen Ebenen gegen ihre strukturelle, institutionelle und interpersonelle Diskriminierung vorgehen. Oft wird suggeriert, dies schwäche die Arbeit gegen Gewalt gegen cis Frauen und Menschen mit Uterus und deren Benachteiligung im Patriarchat, weil es die Kategorie „Frau“ auflöse.

Diesen vermeintlichen Widerspruch müssen wir dekonstruieren und Instrumente dagegen entwickeln, dass FLINTA auf diese Art und Weise untereinander und gegeneinander ausgespielt werden können. Diskriminierung wirkt auch zwischen einzelnen und Gruppen, die unter FLINTA zusammengefasst sind und die Solidarisierung untereinander muss gefördert werden.

Hierfür müssen bestehende Vorurteile angesprochen werden, es braucht Räume für diese Aufarbeitung und cis Frauen, die erkämpfte Rechte und Räume nicht teilen und öffnen möchten, müssen für die notwendige Anerkennung aller FLINTA sensibilisiert werden. Feminismus kann nur intersektional sein und global und transkontinental (bei gleichzeitiger Ablehnung des Konzeptes Nation). Rechte, die für FLINTA in Deutschland erkämpft werden, sind Privilegien, solange sie nicht gleichzeitig für FLINTA global gelten. Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Kämpfe nicht feministisch sind, wenn sie gleichzeitig paternalistisch sind.

Eine dekoloniale Perspektive auf die Realität von FLINTA muss beinhalten, dass soziale Konstruktionen von Geschlecht und die damit einhergehenden Kämpfe außerhalb Deutschlands und Europas nicht losgelöst gesehen werden können von kolonialer Vergangenheit und von den kolonialen Kontinuitäten, die nach wie vor global wirken, und dass FLINTA in Deutschland weiterhin über diese kolonialen Kontinuitäten Teil der Unterdrückung von FLINTA global werden. Die Deutungshoheit über Bedarfe und Kämpfe von FLINTA global liegt nicht bei FLINTA in Deutschland oder Europa. Eine solidarische FLINTA-Politik besteht darin, FLINTA global in den Kämpfen und Bedarfen zu unterstützen, die diese für sich formulieren. Die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten bringen sehr unterschiedliche Prioritäten hervor.

Für eine globale Vernetzung von und mit FLINTA müssen Ressourcen und Räume geschaffen werden, um für die jeweiligen Bedarfe und Themen und Prioritäten zu sensibilisieren und um voneinander zu lernen. Die derzeitige sogenannte Fraueninfrastruktur und Frauenarbeit, die stillschweigend cis Frauen meint, muss als FLINTA-Infrastruktur ausgedehnt werden und finanziell besser ausgestattet werden und verstetigt werden, um die gruppeninterne Sensibilisierung und die breitere, auch globale Vernetzung zu leisten.

Intersektionalität als Schwarze Wissensproduktion muss als Analyse-Instrument und als Konzept in jede FLINTA-politische Forderung einfließen. Alle Erfahrungen und Lebensrealitäten, alle Diskriminierung und Gewalt, die FLINTA betreffen, können sich überschneiden mit der Identität als BIPOC und weiteren Dimensionen von Diskriminierung, als Jüd:innen, als Muslim:innen, als Sinti*zze und Rom*nja, als Be_hinderte, als Geflüchtete und Undokumentierte.

Dadurch entsteht nicht einfach nur eine Summe an Diskriminierungen, sondern es entstehen spezifische Formen von Diskriminierung. Es besteht die Gefahr, zwar innerhalb der FLINTA als FLINTA anerkannt zu sein, aber aufgrund anderer Aspekte von Identität übergangen zu werden, unsichtbar zu werden, keine Zugänge zu haben, Rassismus zu erfahren, etc.

Besonders muslimische FLINTA, die Kopftuch tragen, sind aktuell massiv diskriminiert. Wir fordern eine umgehende Änderung des sogenannten Neutralitätsgesetzes. Muslim:innen mit oder ohne Kopftuch müssen den gleichen Zugang zu allen Berufen und Ausbildungen haben – auch als Beamt:innen.

Darüber hinaus gelten Forderungen, die schon lange Teil feministischer Diskurse sind: Dazu gehören: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Überwindung des Gender pay gaps! Gleichberechtigte Verteilung von unbezahlter Arbeit! Sozialversicherungsrechtliche Anerkennung jeglicher Betreuungsarbeit! Prostituiertenschutzgesetz abschaffen!

Schluss mit Kriminalisierung und Stigmatisierung von Sexarbeiter*innen! Für Diversität am Arbeitsplatz und anonymisierte Bewerbungen! Renten für ein Leben in Würde ohne Rentenaltererhöhung und Zuschläge für FLINTA die aktuell Rente beziehen für geleistete Care-Arbeit umgekehrt proportional zu ihrem Wohlstand! Für körperliche und geschlechtliche Selbstbestimmung! §§218 und 219a StGB abschaffen: keine Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und freie Information! Kostenfreie Menstruations- und Verhütungsprodukte! Abschaffung des Transsexuellengesetzes! Recht auf Selbstbestimmung von gebärfähigen Menschen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett!

Deutlich bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Hebammen und Geburtshelfenden! Abschaffung der patriarchalen, ableistischen und rassistischen Standards in der Medizin! Keine Zwangsangleichung von intergeschlechtlichen Kindern! Sexuelle Selbstbestimmung für Menschen mit Be_hinderung!

Gegen die Instrumentalisierung von Be_hindertenrechten durch Abtreibungsgegner:innen! Jegliche Gewalt an Frauen*, Lesben, inter-, nicht-binären- und trans-Personen beenden! Femizide (Morde an Frauen*) und Morde an inter, nicht-binären und trans Personen müssen analysiert, benannt und veröffentlicht werden! Rape culture (Normalisierung von Vergewaltigungen und sexualisierter Gewalt) in Gesellschaft und Institutionen bekämpfen! Schutz und Hilfe bei psychischer und körperlicher Gewalt müssen einheitlich sichergestellt sein! Projektunabhängige Finanzierung von Frauen*häusern, Frauen*beratungsstellen und Beratungsstellen für inter-, nicht-binäre- und trans- Personen!

Freie Wahl des Schutzortes für alle FLINT* Personen! Professionelle Begleitung und Weiterbildung für alle involvierten Personen und Ämter. In allen Bildungseinrichtungen müssen Geschichten von Frauen*, Lesben, inter, nicht-binären und trans Personen und Feministische Themen gleichwertig und interdisziplinär gelehrt werden! Diversität, Selbstbestimmung und Konsensprinzip müssen Teil der institutionellen Bildung sein! Schluss mit der Normierung von Rollen, Schönheits- und Körperidealen! Werbung muss gemäß intersektionalen feministischen Standards gestaltet sein! Feminismus ist antirassistisch und internationalistisch!

Gleiche politische, kulturelle und soziale Rechte für Migrant*innen! Anerkennung geschlechtsspezifischer Fluchtursachen von Frauen* und Queers! Freie Wahl des Aufenthaltes! Schluss mit dem Lagersystem! Solidarität mit für Emanzipation kämpfenden FLINT* weltweit!