LGBTQIA+

Noch immer herrscht das cis-normative und heteronormative Bild von Individuen, Geschlechtsidentitäten und Beziehungen in unserer Gesellschaft vor. Cis-Normativität und Hetero-Normativität beschreiben eine Weltanschauung, wonach sowohl heterosexuelle Beziehungen und Heterosexualität, das binäre Konstrukt der Existenz von nur zwei Geschlechtern (Mann und Frau), und die entsprechenden damit einhergehenden Geschlechterrollen als Standard im sozialen Miteinander sieht. Jegliches abweichendes Verhalten von den normativen Vorgaben wird gesellschaftlich und individuell sanktioniert. Insbesondere trans Personen und z. B. homo-/bi-/pansexuelle Menschen sind einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt, sowie Ausgrenzung und Benachteiligung bei jeglichen Versorgungsstrukturen, z. B. medizinische.

Entsprechend braucht es bei Gewalt Schutz- und Unterstützungsstrukturen. Die cis-heteronormative Dominanz-Gesellschaft schließt auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene unglaublich viele Menschen, Geschlechtsidentitäten und Sexualitäten aus und behandelt sie als minderwertig, untergeordnet, unerwünscht, oder sogar schädlich.

Diese historisch etablierte patriarchale und (Kolonial)- rassistische Realität beinhaltet auch die Höherstellung alles als männlich konstruierten und wird als “natürlich” oder “naturgemäß” erzählt. In den letzten Jahren hat sich die Gesellschaft zwar mehr geöffnet (z.B. indem seit Ende 2017 homosexuellen Paaren das Recht auf Eheschließung und staatlicher Anerkennung ihrer Ehe nicht mehr verwehrt wird), jedoch musste vieles davon erst aktiv angestoßen und hart erkämpft werden. Dementsprechend langsam geht dieser Prozess voran, den wir beschleunigen wollen.

Die Konstruktion von Binarität, Cis- und Heteronormativität wurde durch die Kolonialisierung auch denjenigen Kulturen und Gesellschaften aufgezwungen, welche andere, keine festgelegten oder diversere Formen von Geschlechtlichkeit, Sexualität und Beziehungen lebten. Hier ist eine dekoloniale Analyse und Perspektive relevant für die Dekonstruktion dieser ausschließenden Modelle.

Intersexuellen Menschen steht das Recht zu, selbstbestimmt Aussagen darüber zu treffen, welches Geschlecht sie haben, das Geschlecht auf ihre gewünschte Weise auszudrücken, und dass körperverändernde Maßnahmen nur mit der eigenen Einwilligung stattfinden.

Wir setzen uns für ein Selbstbestimmungs-Gesetz ein, das Menschen jenseits von komplizierten Gutachten und Prüfungsverfahren, die Transition und die Anerkennung ihres Geschlechts erleichtert.

In dem Zuge ist es auch wichtig, allen Menschen körperliche Selbstbestimmung zu gewährleisten; insbesondere Personen mit Uterus für den Fall eines Schwangerschaftsabbruchs. Deshalb ist auch die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen §218 und darüber hinaus auch §219 a im Strafgesetzbuch eines unserer Mittel im Kampf für eine LGBTQIA+positive Gesellschaft.

Das cis-heteronormative Bild der Gesellschaft ist veraltet und überflüssig. Menschen trauen sich immer mehr, aus den Schatten zu treten und bekennen sich öffentlich zu sich, ihrem Körper und ihrer Identität, für diese und auch für diejenigen, die das nicht wollen oder noch nicht können, haben wir eine Verpflichtung, die Gesellschaft zu öffnen und inklusiv zu agieren und zu denken.

Sichtbarkeit ist Voraussetzung für politische Selbstermächtigung und Vertretung. Sichtbarkeit muss ermöglicht werden, unterstützt werden und gefördert werden. Die Vision, dass im Sinne von Partizipation auf allen Ebenen auch LGBTQIA+ paritätisch in Parlamenten, Gremien, Parteien, Verwaltungen, Behörden etc. vertreten repräsentiert sind und eigene Interessen dort vertreten, kann auch durch Sichtbarkeit nachhaltig verfolgt werden. Auf allen Ebenen von Gesellschaft und in sämtlichen Ausbildungen und Bildungsinstitutionen muss LGBTQIA+ Identität als selbstverständliche Realität und Teil von Gesellschaften abgebildet werden, vermittelt werden und diese Selbstverständlichkeit muss in Curricula, Bildungsmaterialien, Kollegien, Sprache etc. eingeschrieben werden.

Das derzeitig geltende Transsexuellengesetz muss abgeschafft und durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden, um Selbstbestimmung für trans, nicht-binäre und gender-nichtkonforme Menschen, unter anderem bei der Vornamens- und Personenstandänderung zu ermöglichen, ohne finanzielle, seelische oder sonstige Einbußen, so dass alltäglicher, institutioneller und struktureller Diskriminierung entgegengewirkt wird. Heteronormativität - Dieser Begriff bezeichnet eine Weltanschauung, in der Heterosexualität als die Norm, als der Standard angesehen wird.

Dies ist eine veraltete Ansicht und entspricht in keinster Weise der Realität unserer Gesellschaft. Jede Art der Sexualität, die konsensuell zwischen mündigen Menschen und ohne Machtgefälle oder Abhängigkeiten stattfindet, ist als normal zu betrachten.

Ebenso die verschiedenen Beziehungsformen: eine platonische Beziehung (Freundschaft) oder eine sexuelle kann genauso bereichernd, fordernd und wunderbar sein wie eine romantische, eine offene oder eine polyamore romantische Beziehung ist genauso eine romantische Beziehung wie eine monogame.